Islandpferdehof 

Burgwald-Trekking

Tagebuch 2021

23. März 2021

Wir haben aufgerüstet und unser Notfall-Equipment aufgepeppt. Es handelt sich hierbei um zwei Flaschenzüge mit einer Tragkraft von jeweils 1000 kg sowie diverse Hebebänder und Ketten, um diese an einem oder mehreren Deckenbalken aufzuhängen. Des Weiteren haben wir aus alten Feuerwehrschläuchen zwei große Schlaufen hergestellt, die man einzeln oder gekoppelt einsetzen kann. Aktuell in Arbeit ist noch eine Art „Sitzgurt“, wie man sie vom Klettern kennt. Der Gurt hat zwei Schlaufen, die um den Bauch des Pferdes und um die Hinterhand gehen und den Druck somit gleichmäßiger verteilen sollen.  

Wozu braucht man denn so etwas? Das werden sich einige jetzt vielleicht fragen. Um die Pferde wieder auf die Beine zu bekommen, wenn sie sich festgelegt haben. Es handelt sich hierbei um eine lebensbedrohliche Situation, denn die Anatomie des Pferdes ist nicht dafür ausgelegt, eine lange Zeit zu liegen und ist zu dem für jedes Fluchttier eine Qual. Dies kann alten und jungen Pferden passieren und liegt oft an Verletzungen, Krankheit oder einer altersbedingten Schwäche. Manchmal sind die Pferde aber auch einfach nur tollpatschig bei der Wahl des Platzes wo sie sich hinlegen oder wälzen und bringen sich somit in eine missliche Lage. Das Ganze kann überall passieren, auf der Weide ist die Gefahr allerdings nicht ganz so groß. Oft findet man die Pferde morgens und muss sie dann erst einmal so positionieren, dass sie sich überhaupt wieder aufrichten können. Es ist außerdem ratsam, sie in Bauchlage zu bringen und sie dort mit ein paar Heu- oder Strohballen zu fixieren. In der Regel muss man dann den Tierarzt holen, da die Pferde meistens total abgekämpft sind und auch oft Schmerzen haben. Häufig bekommen sie dann Medikamente zur Stabilisierung des Kreislaufes und gegen die Schmerzen. Dann kann man nur hoffen, dass sie noch genug Kraft haben, um sich mit der Hinterhand wieder hoch zu stemmen. Manchmal liegt das Pferd aber auf seinem schwachen Hinterbein oder das untere Hinterbein ist schon total eingeschlafen. Dann legt man zwei Longen jeweils unter den oberen Ellenbogen und das Knie und rollt das Pferd über den Rücken auf die andere Seite. Das Ganze hört sich dramatisch an, geht aber erstaunlich gut. Leider haben wir schon Erfahrung auf diesem Gebiet, denn bei den vielen alten Pferden auf unserm Hof kommt so etwas schon einmal vor. Mit etwas Glück klappt es dann auf dieser Seite besser und das Pferd steht wieder auf. Wenn aber alle Bemühungen erfolglos bleiben, müssen schwierige Entscheidungen getroffen werden. Handelt es sich um schwer kranke oder altersschwache Pferde, dann muss man sie gegebenenfalls erlösen und einschläfern. Wenn es allerdings noch die Perspektive gibt, dass das Pferd noch ein schönes Leben haben könnte und die Pferde auch noch selbst aufstehen wollen, sind Hilfsmittel wie Hoftracks, Schlepper mit Frontlader und auch Flaschenzüge eine sehr gute Möglichkeit, um die Pferde wieder auf die Beine zu bekommen. Wir haben jetzt neben unserem Schlepper auch noch die Flaschenzüge zur Verfügung und daher sollten wir im Notfall gut ausgerüstet sein. Damit alles immer griffbereit ist, haben wir die Flaschenzüge und die diversen Schlaufen und Ketten in einer Box auf unserem Heuboden deponiert. Gerne stellen wir diese Box auch anderen Pferdehaltern in unserer Region zur Verfügung. Ein Anruf genügt und dann kann man sie sich einfach abholen.  

Ja, das ist ein schwieriges Thema in einer schwierigen Zeit. Vorausschauendes Handeln ist aber bei der gesamten Arbeit mit Pferden sehr wichtig und daher macht es auch Sinn, sich frühzeitig mit potenziellen Gefahrenquellen auseinander zu setzen und somit das eine oder andere Pferd zu retten. Der vor kurzen gestorbene Isländer „Kalzi“ hat sich vor 20 Jahren in unserem alten Schulpferdestall unter einer Raufe festgelegt. Mit viel Mühe haben wir ihn damals wieder auf die Beine gekriegt. Er hat dann schließlich noch ein langes Leben gehabt und das gönnen wir natürlich jedem Pferd. 


14. März 2021

... und die Frisur sitzt...

Ja - aktuell ist es doch recht stürmisch. Wir haben Starkregen, Sturm, Gewitter und kühle Temperaturen. Immerhin hat unsere neue Rundbogenhalle bereits den Härtetest bravourös bestanden und das ist schon einmal beruhigend.

Die Stallarbeit ist bei solchen Witterungsbedingungen immer ziemlich nervig. Es wird immer besonders interessant, wenn man mit einer Schubkarre voll mit Heu, Stroh oder Sägespänen von A nach B kommen muss (ohne alles im Gesicht zu haben bzw. alles in der Weltgeschichte zu verteilen) oder kehren will. Für alle, die es nicht selbst machen müssen ist das sicherlich ein lustiges Schauspiel.

Die Pferde haben Spaß und sind bei solchem Wetter auch schon mal ganz schön munter. Ggf. ist es an solchen Tagen besser, die Pferde vor dem reiten mal auf dem Platz oder dem Roundpen laufen zu lassen. Dann können sie schon mal überschüssige Energie loswerden und man kann sich entspannter in den Sattel schwingen. Insgesamt gilt hier aber äußerste Vorsicht, denn viele Pferde sind bei Sturm ziemlich schreckhaft. Die Geräuschkulisse ist sehr laut und somit können sie die vermeintlich gefährlichen Geräusche nur schwer herausfiltern. Oft reagieren sie daher schon in banalen Situationen mit Flucht oder sind zu mindestens sehr aufgeregt. Bei solchen „Sauwetter-Ritten“ setzen wir daher nur sehr erfahrene Pferde ein und reiten umsichtig und vorausschauend. Bevor alles komplett aus dem Ruder läuft sitzen wir auch schon einmal ab und gegebenenfalls gibt es dann einen Fußmarsch nach Hause. Ja. Die Reiterei ist kein Murmelspiel. Hier gilt es mit den nötigen Respekt und Menschenverstand an die Sache heran zu gehen. Schließlich ist man hier mit einem sensiblen Fluchttier unterwegs. Gelle!!! 


28.Februar 2021

Ein Hauch von Frühling liegt in der Luft und das ist auch gut so. Allmählich haben wir von diesem Winter gewaltig die Nase voll. Parallel zu allen „Corona-Sorgen“ haben wir uns wochenlang durch eine nasskalte Schlammschlacht gekämpft und dann folgte jetzt auch noch ein heftiger Wintereinbruch mit Schnee und eiskalten Temperaturen. Eigentlich hätte dieser so schön sein können. Anstelle von Regen, Matsch und Dreck hatten wir jetzt endlich Sonnenschein und eine ordentliche Portion Schnee. Während die Pferde ausgiebig im Schnee gespielt und getoppt haben, waren bei uns romantische Ausritte im Schnee leider Mangelware. Bei uns stand die Grundversorgung der Pferde im Vordergrund und dabei war die Wasserversorgung ganz besonders arbeits- und zeitaufwendig. Hierbei wären beheizbare Selbsttränken und maulwarmes Wasser hilfreich, doch das Ganze ist bei unserer uralten Reitanlage eine sehr kostspielige Angelegenheit und in Zeiten einer Corona-Pandemie muss man sich genau überlegen, ob so eine Investition bei immer wärmer werdenden Wintern überhaupt sinnvoll ist.  Wir behelfen uns daher mit einer großen Anzahl von Wasserbottichen, die mit einem Schlauch gefühlt werden und lassen bei drohendem Frost das Wasser aus den alten Leitungen. 
Mit den frühlingshaften Temperaturen wird auch die Anzahl der Anfragen nach Reitkursen, Ausritten, Reiterferien etc. immer größer. Aktuell dürfen wir aber immer noch nur Einzelstunden anbieten und daher müssen wir unsere Kunden/innen noch ein bisschen geduldig sein. Insgeheim sind wir aber optimistisch, dass wir ab Anfang März wieder in Kleingruppen reiten dürfen und somit die Saison 2021 ganz langsam starten kann. In unserem Gästehaus hoffen wir, dass wir nach den Osterferien (19.04.21) wieder Reitgäste aufnehmen dürfen. Leider mussten wir hier in den ersten drei Monaten bereits schon allen Gästen absagen. Aktuell versuchen wir für diese Kunden/innen Zusatztermine einzurichten und ermöglichen Ihnen außerdem beliebig umzubuchen.  
Ansonsten ist es bei uns sehr ruhig in den letzten Tagen. Leider machen uns aber einige „Oldies“ ziemliche Sorgen und unseren alten Kalzi mussten wir vor einer Woche sogar einschläfern lassen. Er hatte sich die Tage vorher schon immer mal hingelegt und kam nicht mehr gut hoch. Mit unserer Hilfe hat er es dann aber doch immer noch geschafft. Nun kam aber der Tag, an dem ihm weder wir, noch der Tierarzt helfen konnte. Kalzi ist 40 Jahre alt geworden. Er war vor vielen Jahren von Island aus nach Deutschland importiert worden und ist dann bei uns gelandet. Viele Kinder und Erwachsene haben auf ihm reiten gelernt und Wanderritte gemacht. In den letzten Jahren hat er bei uns sein Gnadenbrot bekommen. Auch wenn er wirklich ein hohes Alter erreicht hat, ist es immer schwer für uns, wenn wir einen unserer Schützlinge gehen lassen müssen. Aber das ist nun mal der Lauf der Dinge.
Hier sind noch ein paar Winterbilder und ein paar Bilder von unserem Kalzi. 

25. Januar 2021

Hufverband

Eine gut sortierte Stall-Apotheke, ein Päckchen Windeln, Panzertape und eine ordentlich Portion Verbandsmaterial gehören schon seit vielen Jahren zur Standardausrüstung unsere Reitanlage. Im Laufe der vielen Jahre gab es immer wieder Zwischenfälle mit kranken oder verletzten Pferden und da waren wir immer froh, für die Erstversorgung gut ausgestattet zu sein. Die Windeln und das Panzertape brauchen wir übrigens immer bei Hufverbänden und so einen mussten wir am vergangenen Sonntag machen. 


Da macht man einen gemütlichen Ausritt am Wochenende und auf einmal läuft das Pferd merkwürdig. Da sitzt man natürlich als erstes ab und schaut nach, was los ist. Wenn man dann eine Blutlache unter dem Hinterhuf sieht, ist man erstmal geschockt. Es war weder eine Scherbe, noch ein Nagel. Es war tatsächlich ein Stein - aber was für einer!!! Wir haben ihn für euch fotografiert (zweites Bild). Der Stein steckte seitlich im Strahl und wir mussten erstmal überlegen, ob wir den Stein überhaupt einfach so heraus ziehen können. Da er aber so weit heraus ragte, dass er mit jedem Schritt weiter in die Wunde gedrückt worden wäre, hatten wir keine Wahl. Erstmal wurde notdürftig mit einem Tempo gesäubert und gestopft. Am Stall angekommen wurde alles desinfiziert und dann gab es einen Hufverband für Hnokki. Zum Glück läuft er wieder völlig klar.

Es sei noch am Rande erwähnt, dass wir natürlich auch für unsere Reiter/innen eine weitere separate Stallapotheke zuzüglich eines tragbaren Erst-Hilfe-Koffer haben. 


20. Januar 2021

Wann geht es weiter? 

Offensichtlich sind unsere Kunden/Kundinnen optimistisch, dass wir spätestens im März wieder mit unseren Reit- und Ferienangeboten durchstarten können. Es wird nämlich fleißig gebucht und die ersten Wanderritte und Reitwochenenden sind bereits ausgebucht. Leider mussten wir schon wieder die erste Reitwochenenden und Reitkurse der Saison'21 im Januar stornieren. Zum Glück wollen alle Kunden/innen zu einem späteren Termin kommen. 

Momentan bleibt uns nichts anderes übrig, als die Vorbereitungen für die Saison 2021 voranzutreiben. Natürlich müssen unsere Pferde beim Neustart fit sein und daher investieren wir viel Zeit in ihr Training. In den letzte Tagen haben wir uns bemüht, unsere Pferde an die neue Reithalle zu gewöhnen. 

In kleinen Gruppen im Freilauf durften sich mittlerweile alle Pferde an die Halle gewöhnen. Bevor aber Reitschüler mit unseren Pferden in die Halle gehen können, müssen wir erstmal schauen, wie sich die Pferde alleine und ggf. mit Reiter verhalten. Auch die coolste Socke kann ganz schön schnell unter die Decke gehen, wenn draußen etwas passiert und man es in der Halle nur hört und nicht sieht. Dies gilt es nun zu testen und zu üben! Das ist natürlich Chefsache. Denn die Sicherheit unserer kleinen und natürlich auch der großen Reiter steht an oberster Stelle. 
Ansonsten sieht man momentan auf unserer Reitanlage viele Einzelkämpfer/innen. Oft sind sie gleich mit mehreren Pferden unterwegs. Neben Spaziergängen gibt es viel Bodenarbeit und häufig wird gleich eine ganze Herde auf dem Reitplatz mit der Longierpeitsche bewegt. 

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