Islandpferdehof 

Burgwald-Trekking

Reiterhof-Tagebuch 2019

 

10. Februar 2019

Heute hatten wir zum ersten Mal seit Monaten einen richtigen Regentag. Aufgepeppt mit ordentlichem Wind war es ziemlich ungemütlich. Die Natur wird an solchen Tagen wahrscheinlich drei Kreuze machen, denn der ruhige gleichmäßige Regen kann endlich vom Boden aufgenommen werden. Wenn es in der Vergangenheit bei uns überhaupt geregnet hat, dann war es immer ein kurzer Starkregen und der ist im Wesentlichen oberflächlich abgelaufen. Es bleibt zu hoffen, dass es noch reichliche Niederschläge gibt, damit sich die Wasserreservoire wieder erholen können und sich die gesamte „Wasser-Situation“, inklusive der Folgeerscheinungen bei einem Mangel von Regen, wieder entspannt.  

Unserem gebeutelten Burgwald, dessen Wasser an die Stadt Frankfurt verkauft wurde, wünschen wir auf jeden Fall noch umfangreiche Niederschläge. Mit großer Sorge haben wir schon im vergangenen sehr trockenen Jahr beobachtet, wie sehr die unter Naturschutz stehenden Sumpfgebiete im Zentrum des Waldes unter der Trockenheit gelitten haben. Welche Auswirkungen die miesen Geschäfte mit dem Wasser auf das empfindliche Ökosystem des Burgwaldes haben, kann man momentan noch nicht vorhersehen. Das überhaupt so ein außergewöhnlich natürlicher Wald angetastet und wie eine Weihnachtsganz ausgenommen wird, ist ein absoluter Skandal und das Ganze auch noch über die Köpfe der Anwohner hinweg. Was für eine Sauerei!!! Es bleibt zu hoffen, dass die Leute in Frankfurt überhaupt wissen, woher ihr Wasser kommt und was das Ganze für unsere Region bedeutet. Es bleibt außerdem zu hoffen, dass sie das Ganze überhaupt interessiert.  

Vor dem heutigen nasskalten und düsteren Tag, hatten wir leider nur wenig richtig schönes Winterwetter. Es lag bislang nur ein Hauch von Schnee und es gab nur wenige Tage mit strahlend blauen Himmel und frostigen Temperaturen. Insgesamt kommen wir aber mit dem Wetter in diesem Winter ganz gut zurecht. Obwohl wir keine Reithalle haben, laufen ausnahmslos jeden Tag unsere Reitkurse und alle Pferde sind wohlauf und sehen trotz der Futterknappheit sehr gut aus. Das Futterproblem haben wir inzwischen ganz gut im Griff. Von einigen treuen Händlern bekommen wir immer wieder Heu- und Heulage-Lieferungen zu akzeptablen Preisen. Sollte es im Frühjahr dann doch noch knapp werden, stellen wir den Großteil unseres Bestands auf Wiesencobs und Stroh um. Schon jetzt füttern wir ca. die Hälfte von unseren Pferden mit einem Gemisch aus Wiesencobs und Melasseschnitzeln. Das Ganze wird mit Mineralfutter, Möhren und Roter Bete ergänzt. Die extrem schwerfuttrigen Pferde bekommen zudem noch Maiscobs und unsere „Arbeiter“ noch Kraftfutter. Damit die Pferde tagsüber immer etwas zum Knabbern haben, füttern wir in Heunetzten zusätzlich etwas Heu oder Stroh hinzu. Die Wiesencobs kaufen wir extrem günstig in großen Mengen auf Paletten. Sie sind qualitativ sehr hochwertig und daher eine echte Alternative zum Heu. Probleme macht uns nur unsere Herdenhaltung. Jedes Pferd muss individuell gefüttert werden und das ist in unseren Ställen nur zum Teil möglich. 

Daher ist die Fütterung momentan schon extrem zeitaufwendig und wenn wir alle Pferde mit Wiesencobs füttern müssen, dann wird es besonders heftig. Es bleibt also zu hoffen, dass in diesem Jahr die Weidesaison möglichst früh beginnt und wir somit nicht mehr so viel Heu brauchen. In den vergangen Tagen lag bereits ein Hauch von Frühling in der Luft und dass die Kraniche bereits in großen Schwärmen über unser Dorf gezogen sind, stimmt uns optimistisch. Schaun mer mal. 

28. Januar 2019

 

Nach den Weihnachtsferien ist bei uns wieder der Alltag eingekehrt. Alle Reitkurse laufen und an den Wochenenden tummeln sich vor allem unsere erwachsenen Reitgäste im Rahmen von Ausritten und Reiterferien auf unserem Hof. Wie immer ist es aber insgesamt etwas ruhiger und wir nutzen die gewonne Zeit für Reparatur- und Renovierungsarbeiten. Die gesamte Anlage und auch unser Gästehaus haben bekanntlich schon einige Jahre auf dem Buckel und da gibt es immer viel zu tun. Der Jahreswechsel war bei uns ziemlich durchwachsen. Den kalt gestellten Sekt haben wir bis heute noch nicht getrunken. Nachdem wir in der Slivesternacht Probleme mit unserem alten Gauti hatten und wir den kleinen Mann direkt am Neujahrsmorgen einschläfern lassen mussten, war uns nicht danach. Während der Rest von unseren Pferden das Feuerwerk ziemlich unproblematisch überstanden haben, war er schon den ganzen Abend sehr unruhig gewesen und als dann um 24 Uhr das Feuerwerk so richtig los ging, ist er in Panik geraten und gegen die Wände seiner Box gerannt. Wir haben ihn natürlich sofort aufgehalftert und festgehalten. Teilweise brauchten wir zwei Leute, um ihn zu bändigen. Zur Beruhigung haben wir ihm und allen Pferden einen Mitternachtssnack gegeben. Leider war er so panisch, dass er davon auch noch eine Schlundverstopfung bekommen hat. Um ca. 2 Uhr war diese dann wieder überwunden und er stand wieder vollkommen ruhig, aber auch sichtlich erschöpft, in seiner Box. Nachdem wir noch einmal die anderen Pferde kontrolliert hatten, sind wir erst einmal nach Hause gefahren. Um 7 Uhr morgens lag er dann ausgestreckt in seiner Box. Gemeinsam mit dem eilig geholten Tierarzt haben wir noch einmal kurz versucht ihn auf die Beine zu stellen, doch es zeigte sich schnell, dass wir ihn nur noch erlösen konnten. Der kleine Gauti ist immerhin 39 Jahre alt geworden und davon hat er 32 Jahre auf unserem Hof gelebt. Er war ein in Island geborener kleiner Fuchs, der es faustdick hinter den Ohren hatte. Gauti heißt auf Deutsch „der Clown“ und bei der Namensgebung haben sich die Isländer wahrscheinlich etwas gedacht. Körperlich war er bis zum Schluss immer topfit gewesen. Allerdings war er in den letzten Jahren leider fast erblindet. Daher hat er schon seit vielen Jahren sein Gnadenbrot bekommen. Durch seine Erblindung, war er bereits in den vergangenen Jahren an Silvester ziemlich ängstlich gewesen und offensichtlich war der ganze Stress in diesem Jahr etwas zu viel für ihn. Insgesamt ist bei uns in Simtshausen das Feuerwerk in diesem Winter deutlicher kleiner über die Bühne gegangen. Vor allen in der Nähe von unseren drei Ställen war zum Glück totale Ruhe. Es gab nur leider immer wieder extrem laute „Kanonenschläge“ und die haben den Pferden richtig Angst gemacht. Wahrscheinlich haben die Pappnasen die Knaller in den Kanal oder unter die Brücken geschmissen und daher waren sie so extrem laut.Es bleibt zu hoffen, dass die Tendenz, weitestgehend auf das Feuerwerk zu verzichten oder es stark zu reduzieren, sich in den nächsten Jahren fortsetzt. Schließlich sollte inzwischen jedem klar sein, dass wir in Bezug auf unsere Umwelt schon lange angezählt sind und da heißt es auf jede unnötige Umweltverschmutzung zu verzichten und das Geld sinnvoller einzusetzen. Ob das alle inzwischen kapiert haben? Schaun mer mal!Auf dem Foto ist Gauti der Fuchs im Vordergrund.